
Dr. Copper: „Keine Panik“
Der Kupferpreis sendet eine Botschaft an die Anleger. Die Zukunft sieht wieder besser aus, doch es tauchen neue Herausforderungen auf.
Ein Gastbeitrag von Nico Pantelis@Slimbeleggen
Der Sommer hat begonnen, auch wenn man das beim Blick auf den aktuellen Wetterbericht nicht unbedingt vermuten würde. Dennoch lassen sich daran zahlreiche Anzeichen erkennen. Die meisten Menschen haben nicht nur frei, es herrscht auch eine Nachrichtenflaute in den Medien und der Börsenhandel ist eher verhalten. Das ist auch in diesem Jahr wieder nicht anders: Anleger verlassen massenhaft den Handelssaal. Doch ihre Börsenbildschirme sind heute so nah wie nie zuvor. Laptops, Tablets, Smartphones … die Märkte sind überall und jederzeit erreichbar. Das sorgt dafür, dass es bei unerwarteten Nachrichten schneller zu Reaktionen kommen kann. Letzte Woche gab es einen solchen Moment, als die portugiesische Bank Banco Espirito Santo in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten schien. Sofort stürzten die Kurse ab.
Es stellte sich jedoch als Sturm im Wasserglas heraus, denn der Trubel ist inzwischen wieder vorbei. Dennoch verfolgen Anleger die Märkte heutzutage genauer, auch während der Sommermonate. Das gilt auch für uns. Wir beobachten unsere Lieblingsbörsen und -aktien aus nächster Nähe, auch wenn wir gleichzeitig irgendwo auf einer Terrasse im Süden oder an einem warmen Strand die Sonne genießen. Das Smartphone ist sofort griffbereit. Das hat so seine Vor- und Nachteile. Von echter Ruhe kann zwar kaum die Rede sein, aber nun ja, es bleibt eben unser Job. Der Vorteil ist, dass man (neue) Entwicklungen genau verfolgen kann. Nehmen wir zum Beispiel den jüngsten Kurssprung bei Kupfer. Im Frühjahr haben wir Sie noch auf den starken Einbruch des Kupferpreises hingewiesen. Einerseits gab es die erwarteten finanziellen Verpflichtungen Chinas im Kupferbereich, andererseits aber auch das Risiko einer möglichen Konjunkturabkühlung. Und „Dr. Copper“ hat wieder einmal Recht behalten: Die US-Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal um fast 3 Prozent!
US-BIP im 1. Quartal 2014
Das ist eine ziemliche Herausforderung für eine Wirtschaft, die in den vergangenen Jahren bis heute eher ein robustes Wachstum vorweisen konnte. Der Einbruch des Kupferpreises kam also nicht einfach aus heiterem Himmel. Inzwischen geht es „Dr. Copper“ wieder besser. Schließlich hat sich Kupfer in den vergangenen Wochen kräftig erholt. Der Preis nähert sich erneut dem Niveau von 3,3 USD/Pfund, was am oberen Ende der seit 2013 bestehenden Seitwärtsbewegung liegt. Zudem notiert der Kupferpreis wieder bei
Inzwischen weiß der Markt nicht mehr, woran er sich orientieren soll. Fast täglich lesen wir widersprüchliche Meldungen über den Kupfermarkt. Mal verweisen Marktteilnehmer auf eine Verbesserung im Kupferkomplex aufgrund der anziehenden Nachfrage aus China. Aus diesem Grund hat die Regierung Chiles, des weltweit größten Kupferproduzenten, kürzlich ihren durchschnittlichen Kupferpreis für 2014 von 3,05 USD auf 3,12 USD angehoben. Andere Beobachter sehen die Aussichten für Kupfer hingegen eher düster. So rechnet die Investmentbank Goldman Sachs mit einem Preisrückgang infolge einer geringeren Nachfrage aus China. Ursache dafür sei ein nachlassender chinesischer Immobilienmarkt in Verbindung mit den „Nachwirkungen“ der Abwicklung der Finanzgeschäfte rund um Kupfer. Die Investmentbank prognostiziert für 2014 einen durchschnittlichen Kupferpreis von 2,8 USD/Pfund. Doch nicht alle Investmentbanken teilen diese Einschätzung der Kupfersituation. Morgan Stanley rechnet sogar mit dem Auftreten von Engpässen. Die Bank geht für dieses Jahr von einem Preis von 3,2 USD aus.
Um es kurz zusammenzufassen: Niemand hat auch nur die geringste Ahnung, wie sich der Kupferpreis entwickeln wird. Aber das ist unserer Meinung nach auch nicht die wichtigste Schlussfolgerung. Was vor allem zählt, ist, dass „Dr. Copper“ heute signalisiert, dass der Wirtschaft keine neue Rezession bevorsteht. Und diese Botschaft steht im Widerspruch zur allgemeinen negativen Stimmung. Die meisten Anleger fürchten sich zwar vor der Zukunft, aber wir sehen die Lage nach wie vor nicht so düster. Das konnten Sie hier in den vergangenen Wochen bereits unseren Kolumnen entnehmen. Zudem rechnen wir mit steigender Inflation. Auch das könnte die versteckte Botschaft von Dr. Copper sein. Denn wir sehen immer mehr Anzeichen, die auf eine inflationäre Phase hindeuten. Schauen Sie sich doch einmal die Grafik zur Lohninflation der Deutschen Bank an (Quelle: Business Insider).
Lohninflation DB
Auch wenn es heute noch etwas zu früh ist, die verschiedenen Botschaften miteinander in Verbindung zu bringen, lassen sich doch immer mehr Punkte miteinander verknüpfen. Die Botschaft von Dr. Copper scheint klar zu sein: „Vorerst besteht kein Grund zur Panik.“
Wie wir bereits gezeigt haben, lohnt es sich immer, auf diesen Finanz- und Wirtschaftsexperten zu hören, denn sein Urteil trifft meist ins Schwarze. Heute hat Kupfer eine positivere Botschaft für die Weltwirtschaft: Wir müssen uns noch keine allzu großen Sorgen machen. Das ist wiederum eine gute Nachricht für die vielen besorgten Anleger. Wir haben es hier bereits angesprochen: Der Weg zu höheren Kursen ist trotz des enormen Anstiegs der vergangenen Jahre nach wie vor offen. Natürlich ist stets Wachsamkeit geboten, denn je höher der Anstieg, desto tiefer ein möglicher Fall. Doch solange die Zentralbanker finanzielle Rettungsnetze ausbreiten, bleibt eine harte Landung aus. Bis auf Weiteres ist Höhenangst unbegründet. Genießen Sie also Ihren Sommerurlaub!
Quelle:Standaard.be
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