Einführung in die LME-Woche

In der Woche vom 9. Oktober versammelte sich die Metallindustrie im pulsierenden London zur jährlichen LME-Woche. Broker, Händler, Recyclingunternehmen, Logistikdienstleister, Hersteller und verschiedene andere Interessengruppen kamen hier zusammen. Nicht nur, um die jüngsten Preisentwicklungen zu erörtern, sondern auch die weltweiten Gesetze und Vorschriften. Am Montagmorgen teilten verschiedene Marktexperten ihre Einschätzungen zu den aktuellen Preise und ihre Prognosen für die Zukunft der wichtigen Metalle.

Aluminium

Den Auftakt machte Jorge Vasquez, Gründer und Geschäftsführer von Horbor Aluminium. Er gilt als Experte für Marktinformationen und Datenanalyse im Aluminiummarkt. Alle Augen waren auf ihn gerichtet, voller Hoffnung nach den jüngsten Preisrückgängen an der LME. Leider wurden die Anwesenden mit der harten Realität konfrontiert. 

Während der Corona-Pandemie und nach dem Einmarsch in die Ukraine wurden in großem Umfang Aluminiumvorräte angekauft. Hersteller und Händler wollten einer Normalisierung des Marktes vorgreifen. Dies hat zu einem Preisanstieg geführt. Jorge hat dies treffend formuliert: „Wir leihen uns Nachfrage aus der Zukunft.“

Doch bislang ist diese Nachfrage ausgeblieben. Daher werden die Lagerbestände weltweit bereits seit einem Jahr abgebaut. Dennoch scheint es Licht am Ende des Tunnels zu geben. Aluminium ist nun einmal unverzichtbar für den Übergang zu einer nachhaltigeren Welt. Verbraucher, Hersteller und Händler wollen nachhaltig produziertes Aluminium. Das bedeutet: weniger Einsatz von Bodenschätzen und mehr Verwendung von Aluminiumschrott als Ausgangsmaterial für neues Aluminium. 

Weltweit entstehen immer mehr sogenannte Sekundärschmelzen. Daher dürfte die Nachfrage nach Aluminiumschrott stabil bleiben oder sogar steigen. Der Markt bleibt jedoch unvorhersehbar. Jorge mahnte die Anwesenden, vorsichtig zu bleiben und wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen.

Kupfer

Der nächste Redner war Max Layton, Rohstoffanalyst bei der Citi Bank Group. Er erinnerte seine Zuhörer an den Einfluss der aktuellen Marktbedingungen auf den Kupferpreis. Eine Rezession in Europa, Zinssätze auf dem höchsten Stand seit zwanzig Jahren, anhaltend hohe Inflation und ein hinter den Erwartungen zurückbleibendes Wirtschaftswachstum in der Supermacht und dem großen Kupferverbraucher China.

Es wird daher erwartet, dass der Kupferpreis in diesem Jahr weiter auf 7.500 Dollar sinken wird. Auch im Jahr 2024 wird er sich um dieses Niveau bewegen. Das klingt vielleicht etwas düster. Dennoch ist die Situation auch hier nicht so ernst, wie es scheint. Kupfer wird weiterhin eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielen, und die Nachfrage wird steigen. Man denke dabei an den Ausbau von Kabelnetzen, die Produktion von Elektroautos und erneuerbare Energiequellen. Analysten der Citi Bank prognostizieren, dass der Kupferpreis im Jahr 2025 problemlos Werte von 12.500 bis 15.000 US-Dollar erreichen wird. Es wird nämlich erwartet, dass die Nachfrage nach Kupfer ab 2025 ihren Höhepunkt erreichen wird. Das bedeutet eine anhaltend hohe Nachfrage nach Kupferschrott. Dies hat einen zusätzlichen Vorteil: weniger CO₂-Emissionen als bei der Gewinnung aus Kupfererz.

Zink & Blei

Im Vergleich zu anderen Metallen ist der Gehalt an Zink und Blei im Umlauf. Dennoch spielen sie eine wichtige Rolle im Bau- und Sanierungswesen, insbesondere in aufstrebenden Volkswirtschaften wie Indien. Dank des wachsenden Wohlstands wird in diesem Land stark auf die Produktion und das Recycling dieser Metalle gesetzt, wodurch sich diese Aktivitäten zunehmend nach Indien verlagern werden.

Weltweit sieht es für Zink und Blei aufgrund der derzeit schwächeren Konjunktur kurzfristig nicht besonders rosig aus. Es wird jedoch prognostiziert, dass die Erholung um das Jahr 2025 herum einsetzen wird, dank einer Verbesserung der Weltwirtschaft und der Wachstumsprognosen unter anderem für Kupfer und Aluminium.

Stahl

Laura Varriale von S&P Commodities Insight erläuterte die aktuelle und zukünftige Preisentwicklung bei Stahl. Bemerkenswert ist dabei der Wachstumsmarkt für CO₂-armen Stahl, trotz der höheren Kosten. Verbraucher und Automobilhersteller tragen aktiv zur Nachfrage nach nachhaltig produzierten Metallen bei. Automobilhersteller nutzen zunehmend Materialpässe. So kann der Verbraucher nachvollziehen, wie Autos hergestellt wurden und ob dies auf nachhaltige Weise geschehen ist. Die Nachfrage nach CO2-armem Stahl wird voraussichtlich weiter steigen. Dies zeigt sich an der Zahl der Werke, in denen die Produktionsmethoden angepasst werden, damit Schrott als Grundstoff eingesetzt werden kann. Dieser ersetzt dann das traditionelle Eisenerz und die Kohle, die als sehr umweltschädlich gelten.

In der türkischen Industrie für Bewehrungs- und Knüppelstahl herrschen vor allem Unsicherheit und eine abwartende Haltung. Aufgrund der rückläufigen Nachfrage aus Europa versuchen die Stahlwerke, neue Märkte zu erschließen. Keine leichte Aufgabe, denn es herrscht Konkurrenz durch große Hersteller in Asien und Indien. Allerdings planen mehrere deutsche Werke aufgrund der nachlassenden Nachfrage aus Europa, ihre Kapazitäten zu drosseln. Dies könnte zu einem Preisanstieg führen.

Positiv für die Branche ist, dass für China eine gewisse Erholung des Stahlpreises in Richtung der früheren Niveaus erwartet wird. Möglicherweise bereits im vierten Quartal dieses Jahres, andernfalls jedoch im ersten Quartal 2024.

Nickel

Die Entwicklung des Nickelpreises in den kommenden Jahren wurde von Jim Lennong von der Macquire Bank erörtert. Derzeit herrscht eine Überproduktion, einschließlich Nickel der B-Klasse wie Ferronickel und Nickel-Chrom-Erze. Diese werden an der London Metal Exchange mit erheblichen Preisnachlässen angeboten.

Die weltweite Produktion wird von zwei Ländern dominiert, die zusammen 70 % des weltweiten Nickelbedarfs decken: Indonesien mit 55 % und China mit 15 %. Indonesien baut seine Produktionskapazitäten kontinuierlich weiter aus.

Dieses Metall wird unter anderem in Nickelbatterien für Elektrofahrzeuge verwendet. Angesichts der raschen weltweiten Verbreitung von Elektrofahrzeugen und des erwarteten Wachstums wird die Nachfrage weiterhin hoch bleiben. Derzeit bauen die Batteriehersteller jedoch aufgrund sinkender Preise ihre Nickelvorräte ab. Der Großteil davon befindet sich in China, wo laut Prognosen weiterhin eine hohe Nachfrage nach Nickel bestehen wird. In Europa gibt es kaum Batterieproduktion, und die Preise werden niedrig bleiben.

 

Zinn

Dr. Jeremy Pearce von der International Tin Association äußerte sich begeistert über den Zinnpreis, dem „vergessenen Metall“. Warum vergessen? Der Nutzen und die Bedeutung von Zinn für die Metallbranche scheinen oft unterschätzt zu werden. Es gibt zahlreiche Anwendungsbereiche, wie beispielsweise Leiterplatten, Stahlblechverpackungen und als Beschichtung auf Kupferleitern für eine bessere Funktion. Aber auch in der Wasserstofftechnologie, bei Elektrofahrzeugen und in Kohlenstoffkatalysatoren ist Zinn zu finden.

Im Vergleich zu anderen Metallen ist der weltweite Markt allerdings auffallend klein. Daher können externe Marktbedingungen den Zinnpreis leicht beeinflussen. Der Markt unterliegt also relativ starken Schwankungen, wenn sich die Nachfrage verändert.

Dennoch beobachten wir auch bei Zinn mittelfristig eine steigende Nachfrage. Dies ist zum Teil auf die fortschreitende Digitalisierung und das Streben nach mehr Nachhaltigkeit zurückzuführen. Aber auch die weltweit wachsende Mittelschicht trägt dazu bei, allen voran Indien. Vor allem in dieser Gruppe finden sich Menschen, die Getränkedosen kaufen und Elektrogeräte nutzen.

 

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