KOLUMNE: Warum fallen die Schrottpreise so stark?

Wenn Sie mit Metallen zu tun haben, ist es Ihnen vielleicht schon aufgefallen. Die Metallpreise befinden sich bereits seit Monaten in einem stetigen Abwärtstrend. Das könnten Sie bemerken, wenn Sie neue Produkte einkaufen oder Altmetalle verkaufen.

Rückgang der Schrottpreise aufgrund der BRIC-Länder

Der Rückgang der Preise für Altmetalle hat verschiedene Gründe. Wie alle Rohstoffe unterliegen auch Metalle in hohem Maße dem uralten Prinzip von Angebot und Nachfrage. Während erwartet wurde, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) sowohl bei der Produktion als auch bei den Konsumausgaben weiter wachsen würden, bleibt dieses Wachstum hinter den Erwartungen zurück. Vor allem die Krise der chinesischen Wirtschaft ist dabei ein wichtiger Faktor. Mit unserer westlichen Sichtweise haben wir das Wachstum und das Potenzial der BRIC-Staaten möglicherweise zu hoch eingeschätzt. Auch die Freiheit des einzelnen Bürgers, das zu konsumieren, was er möchte, ist in Ländern mit einer bestimmten staatlichen Struktur anders als im freien Westen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass das Problem der rückläufigen Nachfrage nicht vorübergehend, sondern struktureller Natur ist.

Griechische Tragödie – ein gefundenes Fressen für Spekulanten

Da die Verkäufe von Altmetallen nach China zurückgehen, sinken die Preise. Die Nachfrage geht zurück, während das Angebot gleich bleibt.
Auch die Griechenlandkrise stellt ein Problem dar. Wie bei anderen Krisen wächst das Misstrauen der Verbraucher, und die Investitionen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Dies ist eine logische Entwicklung. Dies wirkt sich auf die allgemeine wirtschaftliche Stimmung aus. Wenn man hundert Menschen nach ihrer Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage fragt, wird ein großer Teil die griechische Tragödie ins Spiel bringen und diese negativ bewerten. Dabei hat man auf individueller Ebene (noch) keine direkten Auswirkungen davon gespürt.

Kurzer Anstieg der Schrottpreise aufgrund des stärkeren Dollars

Die Preise haben vor einem Monat einen Aufschwung erlebt, wie Sie in der folgenden Abbildung sehen können. Dies hat die allgemeine Stimmung etwas beeinflusst. Daher ist es wichtig, dass wir die Entwicklung ab dem 1. Januar 2015 betrachten. Über einen längeren Zeitraum hinweg sind die starken Rückgänge (rote Prozentangaben) zu erkennen.
Ein weiterer wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist der starke Dollar. Der Dollar ist derzeit stark, unter anderem aufgrund eines schwächeren Euro und eines schwächeren Yuan (chinesische Währung). Das scheint ein Widerspruch zu sein, aber Schwellenländer, insbesondere die BRIC-Staaten, haben Schulden in Dollar. Wenn der Dollar gegenüber dem Euro und dem Yuan an Wert gewinnt, steigt ihre Schuldenlast erheblich an.

*Altmetall ist in dieser Übersicht nicht aufgeführt. Der Altmetallpreis ist seit dem 1. Januar 2015 um 22 % (!) gesunken.
**Bildquelle:Casper Burgering, Ökonom bei der ABN AMRO Group.

Sie sehen, dass eigentlich alles miteinander zusammenhängt. Durch eine Krise in Griechenland schwächt sich der Euro gegenüber dem Dollar ab, und das Vertrauen in die Schwellenländer nimmt ab. Das ist zwar stark vereinfacht, gibt Ihnen aber einen kleinen Einblick, wie lokale Probleme die Weltmarktpreise beeinflussen können. Genau wie wir kaufen oder verkaufen auch Sie Metalle. Dann sind Sie – ob Sie wollen oder nicht – damit konfrontiert.

Von:Jan-Willem Dekker, Metallhändler bei Krommenhoek Metals

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