Auswirkungen von billigem russischem Stahl auf den Markt

Derzeit kursiert das Gerücht, dass der jüngste Preisverfall bei Altmetall durch Dumping von russischem Eisen verursacht wird. Dieses soll zu sehr niedrigen Preisen an türkische Stahlwerke verkauft werden.

Die Zahlen zu den russischen Stahlexporten, die per Bahn ins Ausland transportiert wurden, zeichnen jedoch ein anderes Bild. Im Mai sind diese im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur geringfügig gestiegen. Daraus lässt sich ableiten, dass ein möglicher Zustrom von billigem russischem Stahl auf den türkischen Stahlmarkt nur begrenzte Auswirkungen hatte – obwohl dies in aller Munde war. 

Nun sind die Exportdaten zu russischem Stahl, der per Bahn transportiert wurde, zwar nicht zu 100 % repräsentativ für die gesamten Stahlexporte. Aber sie sind durchaus ein guter Indikator.

Die Stahlausfuhren aus Russland in die Türkei haben allerdings zugenommen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dort ein Anstieg um 16 % auf insgesamt 50.386 Tonnen zu verzeichnen. Dennoch ist diese absolute Zahl im Vergleich zu den Eisenmengen, die türkische Stahlwerke normalerweise benötigen, sehr gering. 

Preisdiagramm: Schrottpreise bei Massengutlieferungen an Werke (Quelle: Argus Media Group)

All dies bestätigt also im Grunde, dass auf dem türkischen Markt nicht mehr nennenswert mehr russischer Stahl zu Dumpingpreisen angeboten wird. Es sieht vor allem so aus, als hätte die Türkei einfach weniger Bedarf an Schrott, um ihre Fabriken am Laufen zu halten. Das ist der Hauptgrund für die sinkenden Schrottpreise.

Eine ganz aktuelle Entwicklung auf dem Markt ist, dass Schrottexporteure aus aller Welt sich geradezu darum reißen, große Massengutladungen Eisenschrott in Asien anzubieten. Im übrigen Asien sind die Preisegesunken. Bei Seefracht sind die Tarife bereits um 40 % gesunken: von ca. 100 USD pro mt auf 60 USD pro mt. 

Auch in Asien sind die Preise gesunken, allerdings weitaus weniger stark als in der Türkei. Im Zeitraum vom 1. Mai bis zum 10. Juni ist der Eisenpreis in der Türkei um 156,50 USD pro Tonne gesunken. Und vom 10. Juni bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels um weitere 21,50 USD. Pakistan verzeichnet über diesen gesamten Zeitraum einen Rückgang von 80 USD. 

Der Verkauf von Massengutfrachten von Europa/Großbritannien in Länder wie Pakistan war bis vor kurzem undenkbar. Doch der Rückgang der Transportkosten hat zu einem deutlichen Anstieg der Lieferungen nach Asien geführt. Auch nach Bangladesch und Vietnam wurden Massengutfrachten verkauft.

Die Entfernung nach Asien ist natürlich nach wie vor enorm. Daher ist ungewiss, ob dieser Kontinent auch langfristig ein Abnehmer für europäisches Material bleiben kann. Eine erneute Erhöhung der Massengutfrachtraten könnte dem Ganzen schon bald wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Aber zumindest ist das gesamte Material, das derzeit nach Asien geht, vom Markt genommen. Die teuren Lagerbestände, die stark angestiegen sind, werden auf diese Weise schrittweise wieder abgebaut. Das könnte auf etwas längere Sicht zu einer Verknappung führen.

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